Schrotthäuser müssen verschwinden
1 Alexander Schulze

Greiz. Kollektives Stöhnen in Greiz am Dienstag, als das Landratsamt mitteilte, dass die Oßwaldstraße weiter für Fahrzeuge und Fußgänger gesperrt bleibt. Grund sind Sicherungsarbeiten, weil eine Schrottimmobilie einzustürzen droht. Schon wieder eine. In Greizgehören solche Straßensperrungen inzwischen zum Alltag. „Die Vorkommnisse häufen sich, deshalb habe ich das Thema zur Chefsache gemacht“, sagt Bürgermeister Alexander Schulze (parteilos) auf Nachfrage.

Auch wenn dauernd gefordert wird, dass die Stadt einschreiten muss, stellt er klar: Die betreffenden Häuser gehören Privatleuten. Das Landratsamt ist zuständig, wenn von den Gebäuden Gefahr für die Bevölkerung ausgeht, also wenn Teile des Hauses einzustürzen drohen. Dann übernimmt der Kreis die Notsicherung.

Der Stadt sind Häuser, die langsam, aber sicher, in sich zusammen fallen, ein Dorn im Auge. Vor allem dann, wenn durch sie das Leben in Greiz beeinträchtigt wird. Und das ist bei Straßensperrungen zweifelsohne der Fall.

Ämterübergreifende Zusammenarbeit

Schulze habe deshalb zunächst einmal alle städtischen Ämter an einen Tisch geholt, etwa Ordnungs-, Liegenschafts- und Bauamt. „Es soll jetzt ämterübergreifende Zusammenarbeit geben“, sagt der Rathauschef. Die habe es in der Vergangenheit nämlich nicht gegeben. Erste Maßnahmen seien bereits gelaufen, „die sind aber nicht spektakulär“, räumt Alexander Schulze ein. Zunächst einmal sei eine objektbezogene Datenbank erstellt worden, damit man einen Überblick bekommt, wie groß das Problem ist. Die Bestandsaufnahme habe ergeben, dass es in Greiz 100 Gebäude betrifft, davon seien 15 in einem besonders gefährlichen Zustand. „Größtes Sorgenkind sind die herrenlosen Häuser in der Oßwaldstraße“, betont das Stadtoberhaupt.

Als weitere Maßnahme hat Schulze Janet Voeks aus dem Bauamt zum Lotse im Förderdschungel gemacht. Das bedeutet, dass Eigentümer von Schrottimmobilien von ihr Informationen über mögliche Zuschüsse im Fall einer Sanierung bekommen.

Der wohl wichtigste Schritt, den der Bürgermeister bislang gegangen ist, ist der in andere Städte. Pößneck und Plauen haben nämlich Wege gefunden, wie das Problem gelöst werden könnte. Unter anderem durch einen Zeitungsbericht, in dem über das Plauener Modell berichtet wurde, sei Schulze darauf aufmerksam geworden.

Allerdings stellt sich die Situation in Plauen – hier zielt man vor allem auf den Abriss ab – etwas anders dar als in Greiz , was mit den Zuständigkeiten der Kommune zusammen hängt. „Aber das Pößnecker Modell ist sehr erfolgreich“, sagt der Rathauschef. Und möglicherweise könnte es in Zukunft auch in Greiz angewendet werden. Pößneck hat einen eigenen Weg gefunden, mit dem die Stadt auch überregional als Vorreiter gilt.

Zunächst einmal versucht Pößneck , die Schrotthäuser zu kaufen. Ist das gelungen, macht man sich daran, sie zu sanieren. „Dafür werden Förderprogramme kombiniert“, weiß Alexander Schulze . So werde beispielsweise für ein Objekt auf Denkmalschutz- oder Stadtumbauzuschüsse zurück gegriffen. Klar bleibt ein gewisser Eigenanteil, den sich Pößneck aber offenbar leisten kann und will. Sind die Gebäude wieder im ansehnlichen Zustand, werden sie verkauft.

Klar sei aber auch geworden, dass ein langer Atem nötig ist, will man es wie in Pößneckmachen. „Wir fangen bei Null an, arbeiten das Gespräch auf und werden uns einzelne Projekte vornehmen“, blickt Alexander Schulze in die Zukunft.

Zum Tag der Städtebauförderung am Samstag, bei dem eine Radtour durch Greizgeplant ist, werden nicht nur die sanierten Häuser, sondern auch die Schrottimmobilien eine Rolle spielen. Start ist um 9 Uhr vor dem Rathaus. Die Stadt und die Interessengemeinschaft Greizer Neustadt laden zum Radeln durch die Park- und Schlossstadt ein.

Quelle: Katja Grieser, OTZ

LINK: OTZ Artikel